léa belooussovitch
Léa Belooussovitch ist eine französische bildende Künstlerin, geboren in Paris und heute in Brüssel ansässig. Nach ihrer Ausbildung im Zeichnen an La Cambre beschäftigt sich ihre künstlerische Praxis mit der Zirkulation und Wahrnehmung von Bildern im zeitgenössischen Kontext.
Ausgehend von fotografischen Quellen, die häufig aus der Presse und aktuellen Ereignissen stammen, überträgt sie Bilder in Buntstiftzeichnungen auf Wollfilz. Durch die Weichzeichnung und teilweise Auslöschung von Formen erscheinen ihre Bilder verschwommen, schwebend und bewusst von ihrem ursprünglichen Kontext distanziert. Dieser Ansatz verschiebt die Darstellung von Trauma hin zu einer offeneren und abstrakteren Form und lädt zu einer aufmerksameren und interpretativeren Betrachtung ein.
Indem sie direkt auf das Textil zeichnet, verändert sie dessen Oberfläche selbst: Die Fasern nehmen Pigmente auf und reagieren darauf, wodurch das Bild eine taktile, beinahe vibrierende Qualität erhält. Der Filz, zugleich schützend und isolierend, wird zu einer Oberfläche, die die verbleibende Spur des ursprünglichen Bildes bewahrt.
Ihre Arbeit bezieht sich auf einen Moment in der Geschichte von Scabal: die schweren Überschwemmungen, die vor etwa zwanzig Jahren die Weberei in Huddersfield trafen. Archivbilder der Schäden dienten als Ausgangspunkt für eine Werkserie, die auf unterschiedlichen Stoffen und in verschiedenen Formaten entwickelt wurde.
Durch die Unschärfe und den Verlust visueller Bezugspunkte verändert sich das Bild und erlaubt dem Blick, über sein ursprüngliches Motiv hinauszugehen: zu imaginieren, neu zu interpretieren oder es ganz zu verlieren.