benoît jacquemin

Benoît Jacquemin, geboren in Lüttich und ausgebildet in Fotografie an La Cambre in Brüssel, entwickelt eine künstlerische Praxis, die von materiellen Experimenten mit Holz, Glas, Metall, Skulptur und Bild geprägt ist.

Kolonialgeschichte durch Material und Ornament neu betrachtet. Benoît Jacquemin beschäftigt sich seit Langem mit den fortwirkenden Spuren der Kolonialgeschichte – in Belgien und darüber hinaus. Im Rahmen seiner Residency bei Scabal setzt er sich mit der Berliner Konferenz (1884–1885) auseinander, einer 104 Tage dauernden Zusammenkunft, die die Aufteilung und territoriale Neuordnung des afrikanischen Kontinents unter den europäischen Mächten formalisierte.

Geschichte durch das Objekt neu interpretieren. Mit monumentalen Plüschskulpturen interpretiert Jacquemin die Figuren neu, die mit diesem historischen Moment verbunden sind. Die Weichheit des Materials steht im Kontrast zur Schwere des Themas und eröffnet eine Reflexion über Erinnerung und Repräsentation.

Die Arbeit umfasst zudem Plüschskulpturen von Blumen, die subtil auf die Kameliensammlung von König Leopold II. verweisen, sowie Werke, die von den neu gezeichneten Karten Afrikas inspiriert sind, die aus diesen Vereinbarungen hervorgingen.

Material als Symbol: zwischen Ornament und Veränderung. Im Zentrum seiner Arbeit stehen weiterhin Fragen des Ornaments und der Darstellung. Samt, traditionell mit zeremonieller Kleidung verbunden, wird zum bevorzugten Material des Künstlers. Der Stoff wird dabei mit einem Bleichverfahren behandelt – einem stark korrosiven Prozess, der die Fasern verändert und verfärbt und so die Spannungen hinter der äußeren Raffinesse sichtbar macht.

Körper und zeremonielles Gewand verschmelzen zu einer einzigen Form, in der jedes Element der weichen Skulpturen sorgfältig genäht und verbunden wird, wodurch die organische und von Narben geprägte Dimension des Werks verstärkt wird.

Diese Tafel trägt die Spuren von Tausenden Stoffmustern, die im Laufe der Zeit für die Herstellung von Stoffkollektionen ausgeschnitten wurden. Um diese Spuren sichtbar zu machen, trug der Künstler Blattimitatgold auf, das traditionell für die Einfassung von Stoffmustern verwendet wird.

https://benoitjacquemin.com

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